Die theologische Konzeption der Architektur von St. Peter



"Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." (Mk 16, 18)

„Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“ (1 Petr 2,4-5)

 

„Actio und contemplatio“, „Handlung und Besinnung“, "Politik und Mystik", „Dienst am Nächsten und Gottesbegegnung im Gebet“ umschreiben seit alters her die beiden Pole christlichen Lebens. Beides gehört dazu, keines kann gegen das andere ausgespielt werden: Gottesdienst und Gebet, Rückzug und Besinnung auf der einen Seite, und Gesandt-Sein in die Welt und Gemeinschaft als Glaubende auf der anderen Seite. Beide Grundpfeiler christlicher Existenz bringt die Architektur der St. Peter-Kirche zum Ausdruck: Gott und den Menschen nahe sein.

 



Architektonischer Mittelpunkt, auf den alle Achsen der Kirche zulaufen, bildet der Altar, Sinnbild für Christus. Auf dem Altar und auf den Altar ausgerichtet feiern wir die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Alle Bänke gruppieren sich im Halbkreis um diesen Mittelpunkt. „Die lebendigen Steine“, wie der Kirchenpatron Petrus es ausdrückte sammeln sich um den Eckstein Christi. Der Altar befindet sich unter dem höchsten Punkt der Kirche, der den Blick gleichzeitig himmelwärts zu Gott lenkt. Das Dach endet an diesem Punkt in einer doppelt gefalteten Lichtkrone – zwei Augen nach Osten gerichtet, dem Sonnenaufgang entgegen, als altes Sinnbild des wiederkehrenden Christus. Zu diesem höchsten Punkt hin führen sieben große Dachträger aus Beton, die an die sieben Sakramente erinnern. Die Sakramente wollen Wege zu Gott sein. In der Feier der Sakramente unter diesem Kirchendach entsteht Kirche, Gemeinschaft der Glaubenden, oder, wiederum mit den Worten aus dem 1. Petrusbrief gesprochen, wächst aus den lebendigen Steinen ein „geistiger Bau“.

 



Die sieben Dachträger weisen aber auch gleichzeitig von diesem Mittelpunkt aus hinaus in die Welt und durchstoßen die Kirchenmauern. Der Christ weiß sich, durch die gottesdienstliche Feier gestärkt, gesandt zum Dienst in der Welt. Die Mauern der Kirche sind nach allen Seiten hin durchbrochen. Transparentes Glas öffnet den Kirchenraum nach „draußen“ – die Welt „draußen“ fließt ein. Gottes-Dienst und Menschen-Dienst durchdringen sich. Die Architektur symbolisiert jene Öffnung der Kirche, die nach außen führt, und die nach außen hört: das Gebet, das zum anderen führt, wie es der Architekt Fritz Voigt beschreibt.

 

 



Die Kirche St. Peter erinnert bei aller Statik und Festigkeit in seiner Form aber auch an ein Zelt und damit an eine weitere Grunddimension christlichen Lebens: das Unterwegssein. Das Zelt ist Heimat, aber mobile Heimat. Immer wieder wird es aufgebaut, abgebaut und an anderer Stelle wiedererrichtet. Wir sind Zeit unseres Lebens unterwegs, wie das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste in die Freiheit. Und wie das Volk Israel dürfen wir uns dabei durch Gott begleitet wissen: War für Israel das Offenbarungszelt mit den Gebotstafeln der Ort Gottesgegenwart, so will es für uns das Zelt von St. Peter sein. Auch als Kirche wissen wir uns als Weggemeinschaft unterwegs durch die Zeit, die Gott uns je und je neu schenkt, als Aufgabe und Herausforderung. Dabei können wir uns – mit den Worten des II. Vatikanischen Konziles gesprochen – wie Israel als „pilgerndes Volk Gottes“ verstehen, unterwegs in eine neue Zeit. Oder mit den Worten eines Kirchenliedes gesprochen:

"Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da; in menschlichen Gebärden bleibt er den Menschen nah. [...] Sein wandernd Volk will leiten der Herr in dieser Zeit; er hält am Ziel der Zeiten dort ihm sein Haus bereit." (Hans W. Marx 1972, "Ein Haus voll Glorie schauet", GL 639.4+5).